Freitag, 21. August 2009

Potlatch

So wie auf Nias: Insel in Indonesien. Keiner kann reicher werden, keiner kann anhäufen, keiner kann sich über den anderen erheben. Kann man so an eine Zukunft denken? Keine Anhäufung, keinen Besitz erstreben: Antithese zur Ewigkeit. Schauen wir doch, was in Kirchen stattfindet, die uns die Ewigkeit vormachen, die uns die Ewigkeit schmackhaft machen wollen. Länder prunken ihre Kirchen voll und je schwerer dieser Prunk ist, desto besser, je reicher, je ewiger, je unbeweglicher. Kein Albtraum? Die totale Unbeweglichkeit? Wie die venezianischen Karnevalfiguren, die sich kaum bewegen können und ihre staubigen Kleidermassen durch die Gassen schleppen, bis ihnen die Wirbelsäulen knacken. Verschwendung hält der Verstaubung entgegen. Sie muss ein gesellschaftliches Muss sein, ein Dogma. Die Verschwendung für die Gemeinschaft, fürs Leben, gegens Einrosten.

Donnerstag, 20. August 2009

baby can't you see / i'm calling

broken-powers-klein

a guy like you / should wear a warning / it's dangerous / i'm FALLING

falling (3gp, 55 KB)

Donnerstag, 13. August 2009

shock shop #3

A-Team-klein

copy & waste bitten um Mithilfe!

Wir suchen eine kriminelle Organisation!

Vor wenigen Wochen wurden in Luxemburg diese vier/fünf Frauen und Männer wegen des folgenden Verbrechens verurteilt: Auflösung des autonomen Subjekts. Seitdem werden sie von der Europolizei gejagt, helfen aber anderen, die in Not sind.

Zum Beispiel in North Carolina, wo sie einer Neunzehnjährigen namens Jennifer Thornburg geholfen haben, die sich unbedingt den Namen einer Website geben wollte: cutoutdissection.com.

Sachähnliche Hinweise nimmt der Copyshop Drag & Drop entgegen!
Danke!

Kurzkonzept

Boris Nikitin
Imitation of Life (AT)
Eine Dokumentation

Imitation-Nr-1

Kurzkonzept

Imitation of Life ist ein dokumentarisches Stück über Fälschung, Betrug, Manipulation und die Macht der Behauptung. Im Mittelpunkt stehen zwei Fälscher und ein Schauspieler. Allen drei ist gemein, dass sie Experten der Verstellung sind. Sie teilen die Fähigkeit, sich als jemand anderes auszugeben, sind Spezialisten des „als ob“: der Schauspieler auf der Theaterbühne, die Fälscher im tatsächlichen Leben. Imitation of Life handelt in zweiter Linie von den Rollen, die sie spielen oder behaupten. Im Zentrum des Stücks stehen die drei „Darsteller“ selbst. Gegenstand sind ihre Biographien, ihre Erfahrungen, ihre Handlungen und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie dabei einsetzen. Sie betreten die Theaterbühne, stellen sich vor, erzählen dem Publikum von ihrem Werdegang, präsentieren dokumentierendes Material und beschreiben ihre Methoden der Verstellung; sie legen ihre Tricks des Überzeugens offen und erklären den Zuschauern, mit welchen Mitteln sie andere Menschen dazu gebracht haben, ihnen zu glauben. Imitation of Life wird sich so seinem Thema einerseits anhand des von den Darstellern präsentierten Materials (Geburtsurkunden, gefälschte und echte Ausweise, Fotos, Zeitungsberichte) und ihren Lebensgeschichten nähern, andererseits über eine Auseinandersetzung mit der Ambivalenz ihres Erzählens: Was sie dem Publikum zeigen und erzählen, steht in unmittelbarer Verbindung mit der Art und Weise, wie sie dies tun. Indem sie über ihre Könnerschaft berichten, setzen sie sie zugleich in Szene. Ihr Sprechen über die Methoden des Manipulierens fällt mit dem Akt des Sprechens zusammen, der Ausdruck eben dieser Fertigkeit ist. So ist in dem Moment, in dem der Fälscher sich als Manipulator offenbart, nie gesichert, ob er nicht bloss tut „als ob“. Imitation of Life ist ein Spiel mit dieser Unsicherheit, ein theatraler Seiltanz zwischen dem Gewissen und Ungewissen von Informationen und der Frage, was man als Zuschauer glaubt.

Imitation of Life wird so zu einer Versuchsanordnung, in welcher die Bühne als Ort der Verbindung von Körpern und Sprechakten zum paradigmatischen Ort einer Konstruktion von Identität wird. Ihr Mittel ist die Behauptung - die Behauptung, jemand (anderes) zu sein.

Damit will Imitation of Life zugleich das Prinzip des dokumentarischen Theaters einer Überprüfung unterziehen. Das Genre, das auf dem Anspruch nach Objektivität und Zuverlässigkeit fußt, wird in der Auseinandersetzung mit einem Gegenstand, der eben diese Kategorien unterwandert, an seine epistemologischen Grenzen geführt: eine Dokumentation über die Fälschung ist immer auch potentiell eine Dokumentation mit gefälschtem Material oder eine gefälschte Dokumentation. Imitation of Life wird somit das Dokumentarische als eine Form der Tatsachenproduktion untersuchen und damit ihren Einfluss auf die Rezeption der Zuschauer.
Zum vierten Protagonisten in Imitation of Life wird daher das Publikum selbst, dessen eigener Entscheidung es obliegt, was Imitation of Life es glauben mag und was nicht.

Es wäre einfach unsinnig, für Schokoladenosterhasen ein neues Gesetz zu verabschieden

Der Fikitionsbegriff im Recht
(aus Wikipedia natürlich, das ist zwar nicht so sauber, aber trotzdem hochinteressant)

Als Fiktion bezeichnet die Rechtswissenschaft die Anordnung des Gesetzes, tatsächliche oder rechtliche Umstände als gegeben zu behandeln, obwohl sie in Wirklichkeit nicht vorliegen. Hierbei kann die Fiktion das genaue Gegenteil der tatsächlichen Umstände als rechtlich verbindlich festlegen. Eine Fiktion kann deshalb im Prozess auch nicht widerlegt oder entkräftet werden, da sie definitionsgemäß vom tatsächlichen Sachverhalt abweicht. Das Wort „gilt“ ist in Gesetzestexten ein Indiz für das Vorliegen einer Fiktion, sie kann sich aber auch in Legaldefinitionen verbergen.
Fiktionen müssen von Vermutungen unterschieden werden. Keine Fiktion liegt insbesondere vor, wenn etwas als verbindlich anzusehen ist, was nur möglicherweise den tatsächlichen Umständen nicht entspricht (lat. „Fictio cessat, ubi veritas locum habere potest“: Eine Fiktion scheidet aus, wo die Wahrheit Platz greifen kann). Dann handelt es sich vielmehr um eine unwiderlegliche gesetzliche Vermutung. Ein Beispiel bildet § 1566 Abs. 2 BGB: „Es wird unwiderlegbar vermutet, dass die Ehe gescheitert ist, wenn die Ehegatten seit drei Jahren getrennt leben.“ Das Gericht wird hier also von der schwierigen Aufgabe befreit, eine Ehe daraufhin zu untersuchen, ob sie gescheitert ist. Tatsächlich wird das auf viele Ehen nach dreijähriger Trennung zutreffen, aber eben nicht notwendigerweise auf alle. Das Gesetz knüpft nicht an eine gegensätzliche Sachlage an, sondern umgekehrt an einen geradezu typischen Sachverhalt.
Die unwiderlegliche gesetzliche Vermutung wird allerdings häufig - ungenau - gleichfalls als Fiktion bezeichnet. Beispielsweise wird der Erbenbesitz nach § 857 BGB zu Unrecht als Fiktion bezeichnet, denn es kann durchaus sein, dass sich der Erbe im Zeitpunkt des Erbfalls im Besitz der verebten Sache befindet. Auch die Bekanntgabevermutung in § 41 II 1 VwVfG wird regelmäßig zu Unrecht als Fiktion bezeichnet. Denn es ist dem Adressaten des Verwaltungsakts (VA) unbenommen nachzuweisen, dass er den VA gar nicht oder erst nach dem Ablauf des dritten Tages nach der Abgabe des Briefes zur Post erhalten hat.

Klassisches Beispiel einer Fiktion ist die Regelung der Erbfähigkeit des nasciturus in § 1923 BGB. Nach Absatz 1 der Vorschrift kann nur derjenige erben, der seinerseits zur Zeit des Erbfalls lebt - also derjenige nicht, der schon gestorben oder noch nicht geboren ist. Abweichend hiervon bestimmt dann aber Absatz 2 : „Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits erzeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.“ Hier wird also dem in Wahrheit vorliegenden Sachverhalt eine Rechtsfolge beigegeben, die einem unwahren Sachverhalt entspricht.
Wie in diesem Fall handelt es sich bei gesetzlichen Fiktionen häufig um bloße Fragen der Regelungstechnik. Es wäre einfach umständlicher etwa wie folgt zu formulieren: „Abweichend von Absatz 1 ist auch derjenige erbfähig, der zur Zeit des Erbfalls gezeugt, aber noch nicht geboren ist, aber nur dann, wenn er später dann auch wirklich lebend geboren wird.“ Bei derartigen Fiktionen erfolgt also die Gleichstellung des realen mit einem fiktiven Sachverhalt deshalb, weil die Anwendung der Rechtsfolgen des fiktiven Sachverhaltes auch für den realen Sachverhalt (oder unabhängig von diesem) als sachgerecht erscheint.
Weiteres Beispiel für eine Fiktion ist § 105 a S. 1 BGB: „Tätigt ein volljähriger Geschäftsunfähiger ein Geschäft des täglichen Lebens, das mit geringwertigen Mitteln bewirkt werden kann, so gilt der von ihm geschlossene Vertrag (...) als wirksam, sobald Leistung und Gegenleistung bewirkt sind.“ Ein Geschäftsunfähiger kann zwar an sich keinen wirksamen Vertrag abschließen (vgl. §§ 104, 105 BGB). Um aber etwa einem erwachsenen geistig Behinderten (= volljähriger Geschäftsunfähiger) rechtlich zu ermöglichen, Brötchen zu kaufen oder ein Fahrrad für eine Inselrundfahrt zu mieten (= Geschäfte des täglichen Lebens, die mit wenig Geld, also geringwertigen Mitteln bewirkt werden können), stellt die Vorschrift die Fiktion auf, der Vertrag sei wirksam, sobald er von beiden Seiten vollständig erfüllt worden ist.

Entstehungsgeschichte
Das Institut der gesetzlichen Fiktion stammt aus dem römischen Recht. Die Fiktion erfordert einen hohen Abstraktionsgrad (ein Toter wird als lebendig behandelt, ein Lebender als tot) und stellt daher eine bedeutende rechtstechnische Errungenschaft dar.
Es wird vermutet, die Fiktion sei wie viele Rechtsinstitute aus der besonderen Form römischer Religiosität entstanden. Bei Opfern oder Weissagungen kam es nicht auf das religiöse Empfinden der Beteiligten, sondern auf die äußere Form an. Auch kleinere Täuschungen oder Schauspielereien waren deshalb nicht verpönt, wenn und weil die Beteiligten (einschließlich der verehrten Gottheiten) darum wussten: Die offensichtliche Täuschung war im Grunde gar keine.
Dieser Gedanke, die Wirklichkeit könne unbeachtet bleiben, solange nur alle darum wissen, soll zur Entstehung der Fiktion als Rechtsinstitut beigetragen haben. Auch dort wird die Wirklichkeit nicht verbogen, sondern ignoriert, weil sie für die gesetzlich geregelte Frage ohne Bedeutung ist.

Kritik
Juristische Fiktionen werden von verschiedenen Seiten angegriffen. Konkretem Rechtsdenken galten sie als eine wesentliche Ursache für die (behauptete) Lebensfremdheit oder Abstraktheit des Rechts. Hierbei wird der bloß regelungstechnische Charakter vieler Fiktionen verkannt. Das Befremden des rechtlichen Laien über die Fiktion - populäres Beispiel einer angeblich existierenden Vorschrift über Süßwaren: „Auch Osterhasen sind Weihnachtsmänner im Sinne dieses Gesetzes“ - löst bei Fachleuten nur Achselzucken aus: Es wäre einfach unsinnig, für Schokoladenosterhasen ein neues Gesetz zu verabschieden, wenn doch einfach bereits bestehende Vorschriften entsprechend angewendet werden können.
Ähnlich gelagert ist folgendes Beispiel: In Deutschland findet sich in § 179, letzter Satz der Zivilprozessordnung die Formulierung „Mit der Annahmeverweigerung gilt das Schriftstück als zugestellt“. Für den Laien eine Kontradiktion, und auch manch Betroffener wird dies nicht einsehen wollen (abgesehen davon, dass das gängige zugestellt bereits ein gelesen und verstanden implizieren sollte). Doch wie sollte es der Gesetzgeber an dieser Stelle sonst handhaben?
Strengen Positivisten ist die Denkfigur der Fiktion suspekt, weil sie nur beschrieben werden kann, wenn man Voraussetzungen von Rechtsfolgen von ihrer Rechtfertigung unterscheidet

Imitation of Life #1

Sagen Sie nicht zu einem Mann oder einer Frau, dass er gut aussieht, sondern sagen Sie: „Mensch, was ist los? Entschuldigung, dass ich sie anspreche, aber Ihnen geht’s schlecht. Sie sehen richtig schlecht aus. Kann ich Ihnen helfen?“ Dann sagt keiner „ne mir geht’s richtig super gut“. Die sagen alle „ja klar, mir geht’s grade scheisse, weil…“. Und dann fangen die zu Erzählen an. Und dadurch, dass sie erzählen, denken sie gar nicht darüber nach, dass sie Ihnen schon gerade vertrauen. (Marc Z.)

Sonntag, 26. Juli 2009

turn it up, turn it up, turn it up, turn it up! #2

Neulich, in der Panikothek:



video implant by phonofix
text & cut: Jörg Albrecht, music: Matthias Grübel
test screening for Tri Tri Tripli [Trans Europa Exzess 1]

Donnerstag, 23. Juli 2009

shock shop #2

dia12

copy & waste bitten um Mithilfe!

Wir suchen Sie! Experten aus der Wirklichkeit, genauer: aus der LSD-geschwängerten Wirklichkeit, zum Beispiel der 1960er- und 70er-Jahre. Wir bringen Ihre Geschichte auf die Bühne, und das Beste: Sie selbst können darin spielen! Sie können sich selbst spielen! Selbst wenn Sie auf LSD mal nicht ganz Sie selbst waren, können Sie das noch einmal durchleben, ohne ein einziges Mikrogramm von dem Kram. Sehen Sie noch einmal goldene Partikel, die vom Licht aufgesogen werden, ineinanderfließen und reinster kalifornischer Neostaub werden! Sehen Sie im Rausch noch einmal, daß wir uns eigentlich nur einen Film über unser Leben ansehen, weil wir immer eine Sekunde später erst wissen, was da vorgeht, vor uns, vor uns hergeht! Sehen Sie und drehen Sie mit uns den dreidimensionalsten 3D-Film, der je gedreht wurde!

Bitte ankreuzen:

Waren Sie zwischen 1964 und 1971 mindestens drei Mal pro Woche auf nem Trip?
JA
NEIN

Gaben Sie sich Namen wie: Doris Delay, Cosmoheld oder Nick Le Clou?
JA
NEIN

Haben Sie erlebt, daß Drogen nicht nur Licht und Aufklärung verheißen, sondern auch Düsternis, Schrecken, Horror, puren schlichten Horror?
JEIN

Wenn Sie mehr als zwei Mal JA angekreuzt haben, sind Sie dabei! Herzlichen Glückwunsch. Rauf auf die Bühne und los!

Mittwoch, 8. Juli 2009

shock shop #1

copy & waste bitten um Mithilfe!

Wir suchen dringend Material zu einem Tatort von 1986, in dem das Schweizerhalle-Unglück eine zentrale Rolle spielt, deutsche Erstsendung [es ist kein in der Schweiz produzierter Tatort!]: 14. Dezember '86.
Diese Tatort-Folge war auch eine der ersten, die explizit als Faction-Drehbuch konzipiert war, facts & fiction also gemischt wurden.
Bitte alle Hinweise mit Hilfe der Kommentarfunktion posten.

Danke Danke Danke!

Spuren-loeschen

Sonntag, 28. Juni 2009

flügelschlag der intimität. traumblog teil 2

revolver_lomo1

heute mal ganz was privates. wenn berlusconi das kann, und obama und die merkel sogar privat aussehen, wenn sie sich preisen ins mikrofon, dann kann ich das auch.

„das private ist für mich das eigene, das sehr persönliche, das im bild zum ausdruck kommt. das private umfasst auch das intime und damit zugleich das heimliche, das geheimnis. die intimität öffnet den begriff des privaten ins körperliche. intimität ist der zustand tiefster vertrautheit, der durch das emotional körperliche, durch sex und durch liebe, entsteht. bilder können sowohl privat sein wie auch intim. wenn sie den eigenen privaten oder den intimen raum verlassen, und es ihnen gelingt, bei anderen ähnlich intensive gefühle hervorzurufen, dann springt der funke über, und es brennt in dir wie in mir, als ich das bild gemalt habe.“
dieter mammel (wer zur hölle ist dieter mammel) im tip dieser woche.
na ja, ich sitz halt grad in berlin und lese alles was sich mir meine finger krallen können. internet=bloggen (oder =facebook, =twitter, =myspace, =etc, wenn ich denn damit erfahrung hätte) schafft die quadratur des kreises: die privatheit in ihrer massenhaften anonymität. wir glauben menschen zu kennen, wenn wir ihre enbtlössungen im netz lesen, wir glauben, sie bringen uns vertrauen entgegen, wir glauben, wir können uns gegenseitig helfen, und wir glauben vor allem, wir stünden miteinander in einem ja intimen kontakt. was wir nicht alles glauben.

wenigstens können wir nicht im schlaf bloggen, dann könnten ja vielleicht auch leute im koma bloggen und so endlich offenbaren, ob sie lieber sterben oder lieber siechen. na ja. für diesen absatz genug der politischen unkorrektheiten (ist ahmadinejad eigentlich politisch korrekt?). wenigstens bleiben wir weg im schlaf. woanders. ganz gefangen in unserer eigenen privatheit, intim mit uns. wen interessiert schon mein persönlicher traum, wer kann denn damit was anfangen? schlaf kann man teilen, traum bleibt eigen. was ich träume, wird nur mir etwas sagen, nur ich kann die einzelnen versatzstücke erkennen, den zusammenhang aufschlüsseln, nur ich weiss mit bestimmtheit, wann ein traum eine besonders lustige aber sehr sinnlose variante meiner erlebnisse ist.

kann aber die handlung eines traum privat sein? intim? von sex träumen, von wünschen, vorstellungen, die im wachzustand schon im frühstadium vom sozialisierten hemmungsamt weggeätzt werden – nur, eben, wohin: da wo die langen, dürren finger der träume noch dran kommen -, von begegnungen, sehnsüchten, von all dem lässt sich leicht träumen, und die lassen sich auch leicht wieder vergessen. aber lässt sich liebe träumen? nicht im tagtraum, nein, tief im schlaf, ohne kontrolle über die jenseits jeder wahrscheinlichkeitsrechnung liegenden kombinationsmöglichkeiten – lässt sich ein mann mit doppelleben und vergangenheit ein auf den achterbahn-traum einer kleinen göre? und ist das alles beim aufwachen weg wie eine geplatze luftblase? darf man liebe noch beanspruchen als realität? oder nur dann, wenn der krug anschliessend zerbricht?
womit wir bei der frage ankommen: was bitte schön ist denn heute noch privat? was intim was nicht gleichzeitig wildfremd?
PRIVAT, adj. und adv., amtlos, besonder, geheim, unöffentlich, persönlich, häuslich, überhaupt dem amtlichen, öffentlichen, allgemeinen, gemeinsamen entgegengesetzt; im 16. jahrh. entlehnt aus lat. privatus (vom staat abgesondert, ohne amt für sich lebend; eine einzelne person betreffend): private angelegenheiten (oder angelegenheiten privater natur), händel, mittheilungen; einem etwas privat (nur für seine person) mittheilen u. s. w.; (grimmsches wörterbuch).
Privat (von lat. privatus, PPP von privare, „absondern, rauben“, privatum, „das Eigene“ und privus, „für sich bestehend“) bezeichnet Gegenstände, Bereiche und Angelegenheiten, die nicht mehr der Allgemeinheit gehören bzw. offenstehen, sondern nur einer einzelnen Person oder einer eingegrenzten Gruppe von Personen, die untereinander in einem intimen bzw. einem Vertrauensverhältnis stehen. (wikipedia)
intim kannten die gebrüder grimm noch gar nicht.
ich raub dir den schlaf und setz mich ins gemachte nest deiner privaten natur?

ein versuch: in einer situation, die man als wirklichkeit und/oder traum annehmen und somit beides gleichwertig zur realität erklärend erleben kann, sagt unser an kunst, kultur und gesellschaft geschultes wunschvermögen, ist alles möglich. denn die bekannten, die sicheren wege, die die situation zu einer handlung fortführen, dürfen verlassen werden, jetzt liegt eine füllige, unüberschaubare ebene vor uns und bietet unzählige trampelpfade. die handelnden sind an nichts mehr gebunden als an sich selbst, können jederzeit anknüpfen aneinander, aber sie müssen sich erkennen, denn jeder fussel gehört zum spielfeld. so ein one-night-stand ist ein ganz anständiger ausgangspunkt für so was. je intimer wir sind, desto eher geben wir uns die blösse, die das unvorhergesehene möglich macht.
in den meisten fällen sind wir ganz froh, wenn wir aufwachen. das anarchische träumen ist nicht des menschen sache, alistair ist ausserordentlich froh, wenn er trotz weltallausflug seine bücher rechtzeitig zurückgeben kann – nicht auszudenken, die bussen und verluste, die betreibungen, die verpflichtungen, die berichtigungen, die formulare,...
...und nach dem theater muss man ja auch wieder mit dem alltagsleben klarkommen.

traumticket

When I'm in the middle of a dream
Stay in bed, float up stream

Please don't wake me, no
don't shake me
Leave me where I am
I'm only sleeping

Freitag, 26. Juni 2009

turn it up, turn it up, turn it up, turn it up! #1

if you remember the 60s, you weren't there
if you don't remember the 80s, you weren't there
if you remember the 00s, you were HERE

photo: Helga Fassbinder

Das westliche Immunsystem, ein Dokudrama mit Angelina Jolie.

Als Angelina Jolie kann ich mich an Orte außerhalb der Schweiz begeben, an denen etwas mal nicht stimmt, an denen ich aber auch nicht ganz verstehe, was die Stimmen mir so sagen, und umso einfacher kann ich zurückkehren und sagen: I was changing as a person.

Als Angelina sagst du in jedem zweiten Satz, daß die Dreharbeiten zu der Doku über deinen Besuch im Flüchtlingscamp dich total verändert haben. Du sagst in jedem dritten Satz, daß du direkt nach dem Besuch im Flüchtlingscamp deine Mutter anrufen mußtest, um zu sagen, wie sehr du sie liebst, weil die Flüchtlinge im Flüchtlingscamp eben dich so sehr lieben. Du sagst in jedem vierten Satz: Noch n paar Drinks, und dann kann Europa meinetwegen versinken, im Rhein.

Ob ich über die Flüchtlinge spreche und ihre Krisen oder mich und meine Krisen, das macht auf Telebasel keinen Unterschied. Mir geht es darum, mit meinen Besuchen die Aufmerksamkeit auf die Flüchtlinge zu lenken, also, nicht die Aufmerksamkeit der Kamera, die soll über mich nachdenken, aber zugleich wird jeder merken: Die Flüchtlinge sind nur sichtbar, weil ich bei ihnen bin, und ich bleibe sichtbar, weil sie in mir sind, in meiner Gefühlswelt, insofern sind wir miteinander verbunden, von Norden nach Süden, und diese Verbindung ist kabellos, und die kann niemand erschüttern.

Aber erinnerst du dich nicht mehr an 1356, als Basel vom Erdboden plattgemacht wurde, der auf einmal erschüttert war, und als du und der Rest von Basel zwar wiederaufgebaut werden sollte, aber ganz woanders? Hast du daran schon lang nicht mehr gedacht, Angelina?

Hast du noch nie die Welt als Ereignisfeld gedacht, als Störungsraum, als Verletzungsraum, Angelina?

Und welche Rolle spielt dabei deine Mutter?

Und welche Rolle spielt dabei deine Rolle als Mutter?

Bist du ansprechbar, für Flüchtlinge in dir?

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CHRIS CROCKER
IMITATION OF LIFE
OTHELLO
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