Sonntag, 7. Juni 2009

>spiegelblicke und patronenräume. traumblog teil 1

theater ist ja bei interviewten, die gefragt werden warum theater und nicht film, immer: das flüchtige und darum lebendigere, wo man das publikum spürt, und jede vorstellung anders ist als die letzte. das stetig unfertige also. intern weiss man, dass die letzten 10 tage platzen vor letzter-minute-entschlüsse und verfestigungen, die aus der panik vor der unsicherheit auf der bühne geboren werden. viele regisseure tun sich besonders schwer, nach der premiere loszulassen und das noch-nicht-ganz-fertige zu festigen und zu korrigieren. und wie viele produktionen schaffen es tatsächlich, jeden abend neue konstellationen entstehen zu lassen, wie viele produktionen sind unfertig angelegt und werden dann im programmheft nicht unter der rubrik „scheitern als wichtigster moment im theater“ angepriesen?

und dabei ist bloggen was vom unfertigsten, was es gibt. wenn wir hier die aufgabe haben, über unsere projekte laufend zu informieren, material zu liefern, vielleicht probenberichte, bilder – was erwartet der geneigte oder kritische leser da? den einmaligen einblick, wie wir theatermenschen wirklich arbeiten (also nicht vor 10.30 uhr anfangen und dann alle 20 minuten eine schöpferische rauchpause, viel improvisation und eine riesige materialschlacht)? will er vom scheitern lesen, das mit beängstigender konstanz zur premiere hinan wächst – oder will er sich die sicherheit holen, mit viel lesestoff diese inszenierung auf jeden fall zu verstehen? den text lesen, die personen kennenlernen, die welt bereits vorher austarieren, vielleicht einfach herausfinden, ob ihn das ganze überhaupt interessiert? oder müssen wir hier beweisen, wie spannend-aktiv wir sind?

wir haben am 25. und 27. mai im raum 33 ein kleines vorexperiment vor sagenhaft wenigen zuschauern präsentiert. davor haben wir unseren „revolvertraum“, das projekt nach dem text von lola arias, mit der liebgewonnenen idee „zuschauer ans licht!“ angepriesen. oder wenigstens bei nachfrage erzählt, dass jeder zuschauer per schalter sein licht im bühnenraum entzünden kann und so seine eigene perspektive wählt, oder die sichtbarkeit seiner wahrnehmung. nun haben wir diese situation ausprobiert – und eine andere, ehemals vernachlässigte, aber absolut berauschende. während den 3 tagen proben kann man sich noch ans liebgewonnene klammern, auch wenn die andere sache ganz einfach raffiniert ist. wir habens nicht erfunden, aber schön zum ansehen ists, und es passt dem raum 33 wie ein massgeschneidertes kleidchen, und unserem konzept zum revolvertraum hälts einen glasklaren spiegel vor: 5 A4-grosse spiegel auf notenständern boten kleine blickfenster über einen grossen spiegel an der decke (in den man natürlich auch direkt blicken konnte) auf zwei mädels. schwerelosigkeit war eine sache der positionsänderung. die zuschauer waren voyeure, die sich dem sog der intimität nicht entziehen konnten. die szene war weit weg und hautnah.

also, auf deutsch: spiegel, keine schalter! sogenannte effekte verlieren ihre effekthaftigkeit und –hascherei durch ihre simple herstellbarkeit – eine elegante aushebelung gewohnter erdanziehungskraft, blickrichtung, dimension.

erfinden wird heute im theater kaum noch jemand was. neue formen, so verschrien, sind bloss ein weiterdenken der seh-sehnsüchte, und längst tendenzielle realität. und das war keine korrektur, diese entscheidung war geplant, kurs geändert wegen gewittervorhersage: wir fliegen dran vorbei.

soweit zum spiegel deines nachbarlichen blicks.

nun zur patronensammlung unseres traums.
keine gewähr auf vollständigkeit, hier steht kein konzept dahinter, als jenes des bloggens: information, von einer person aufgesammelt, aufbereitet für maximale assoziationsbereitschaft, wird von der person für den äther online gestellt. irgendeinen wird’s schon freuen. fortsetzungen werden folgen.

thomas schütte ist ein mir sonst eher unbekannter künstler, holger liebs hat ihn für die süddeutsche interviewt und gefragt:

SZ: Sie haben einmal einen ihrer Träume zu Papier gebracht. Ein Museum muss schließen, weil alle streiken, und kein Künstler mehr Werke einliefert. Und die Menschen sind glücklich deswegen und zeugen Kinder. Ein schöner Traum oder ein Albtraum?

Thomas Schütte: Es gibt ja sehr realistische, aus dem Leben gegriffene Träume. Das ist ein großes Privileg der Künstler: lange schlafen zu dürfen. Sie werden dann beneidet, wenn sie um zwölf Uhr mittags verwuselt auftauchen. Durch diese Topmodel-Geschichten weiß man ja inzwischen, dass dieser vermeintliche Glamour harte Arbeit ist, knallhart. Früher konnte ich auf Knopfdruck dösen, stundenlang. Man träumt von der Arbeit und denkt sie noch einmal durch. Dadurch werden die anschließenden Handgriffe sicherer und schneller.

SZ: Träumen ist also produktiv. Und dennoch: War das jetzt ein Albtraum von leeren Museen?

Schütte: Wohl eher eine Phantasie. (…)

wäre ein theater ohne schauspieler und regisseure und dramaturgen und zuschauer eine schöne phantasie oder ein albtraum? – übrigens gehört zu den fakten, die ein umfangreicheres traumerinnern fördern, neben dem entspannten schlafen das aufwachen mitten aus einer traum-phase. wer ausschläft kann sich meistens nur noch durch einen halb-wachen nebel aus schlafbewusstein erinnern, ordnet und erzählt bereits wieder aus dem wachzustand heraus. das produktive dösen und die vorstellungen hinter geschlossenen lidern, tagträumen, all das gehört auf jeden fall zum universum traum. dieses universum ist riesig, es gibt diverse traumtheorien. und die analyse seines träumens versucht ein jeder aus dem wachen - so wie wir das gewohnt sind, unseren tag aus dem wachsein zu analysen. denn ist nicht der traum bloss ein teil des schlafes, der ein teil unseres da- und wachseins ist? brauchen wir den schlaf als gegenstück fürs wachsein, als mittel ohne eigenzweck, als stand-by für den energiehaushalt?

ein mensch, der träumt, verschwindet aber aus dem zusammenhang seiner welt, sein schlafuniversum ist von ‚aussen’ unerreichbar – trotz jahrhundertelanger auseinandersetzung mit dem traum kann niemand genau beantworten, warum wir träumen. auch wenn REM-phase und ihre begleiterscheinungen wissenschaftlich aufgezeichnet werden können, auch wenn sich träume erzählen lassen – die komplexität dessen, was einem träumenden menschen geschieht, ist nie ganz einsichtig, denn sie ist urpersönlich und kann nicht mit den parametern der tagesrealität analysiert werden.
das ist schon wieder eine eigene these. ich finde sie gerade ziemlich einleuchtend. die letzten drei male bin ich morgens aufgewacht und wusste nicht, ob ich jetzt wach war, oder ob nur wieder ein szenewechsel stattgefunden hatte und ich weiter träumte. das aufwachen danach ist in der regel bedeutend langsamer als sonst und durchsetzt mit bildern, emotionen und atmosphären aus einer welt, die vor kurzem noch handfest und echt war.

etwas komplizierter: „… mit der objektivierung von traum und traumausgang etwas (beginnendes) wirkliches zu erschliessen“ (sagt Artemidor, alter grieche), also durch das annehmen der traumgegenstände und –handlung diese in die wirklichkeit zu übertragen. „dennoch erscheint die für die deutung entscheidende belastbarkeit, die welthaltigkeit der traumerfahrung bei einfachen und komplizierten träumen nicht verschieden. im hinblick auf ihr wirklichsein denkt artemidor die zustandsträume und die traumgesichte vielmehr durchaus gleich. der aussagebereich der beiden traumformen differiert: aktueller körperzustand oder aber zukunft. auch die deutungstechnik variiert (…). der wirklichkeitswert der träume und des weltstücks, mit dem sie objektiv verbunden sind, ist trotzdem jeweils gleich – und jeweils ganz gegeben.“ „denn die ordnung der wachwelt und die ordnung der träume erschliessen sich – und zwar durch den glauben an eine erfahrung, mit der sich ein einziger imanenzraum auftut.“

man muss schlussendlich unterscheiden zwischen dem inhalt von träumen – und dem umgang mit ihnen. darum solls in den nächsten posts gehen. was sicher ist: in unserer hinsicht sind träume absolut produktiv.
zitiert wurde aus dem lesenswerten „traum und wirklichkeit“ von petra gehring, campus 2008.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Tryout: REVOLVERTRAUM

Flyer-MAIding
tryout zum REVOLVERTRAUM
treibstoff theatertage 09

25. und 27. mai 2009
jeweils 20 uhr
raum 33, basel

mit: elina müller meyer und esther becker
regie & text: charlotte von bausznern
licht: christa wenger und minna heikkilä
raum: peter meier
kostüm: susanne ehrenbaum
specials: michelle kohler

eine lose collage mit verbindungsmöglichkeiten aus sprache und tanz zur maid im hintergrund: was frau macht, wenn frau alleine zu hause ist.

eintritt 5 chf
beschränkte platzzahl!

unbedingt anmelden bei info@cadartin.com

anschliessend an beide vorstellungen finden publikumsgespräche statt! zwanglos und politisch inkorrekt - ach und bevor wirs vergessen: wolltest du schon mal selbst bestimmen, wie hell die bühne ist?

REVOLVERTRAUM

Team: cadartin produktionen
Regie: Charlotte von Bausznern
Spielstätte: raum33

CHRIS CROCKER

eine elektro oper von:

Biancas & Victor

Chris-Crocker-Flyer-1


Victor Moser (Regie, Schauspiel, Musik)
Elia Rediger (Regie, Schauspiel, Musik)
Fabian Chiquet (Regie, Schauspiel, Musik)
Daniel Pfluger (Schauspiel, Musik)
Oliver Goetschel (Schauspiel, Musik)
Pascal Goffin (Schauspiel, Musik)
Marcel Rodriguez Silvero (Schauspiel, Musik)
Yannik Giger (Schauspiel, Musik)
Romano Streit (Musik)
Anna Waibel (Musik)
Sebastian Bürgin (Musik)
Florian Haas (Musik)
Stefan Uiting (Technik, Audiodesign)
Blanka Radoczy (Bühnenbild)
Andrea Simeon (Kostüm)

Spielstätte: Kaserne Basel

http://www.facebook.com/pages/Chris-Crocker-Erfinde-dich-neu-Elektro-Oper/247548570360?ref=ts

VORLÄUFIG AUSNAHME

Regie: Livia Schoeler
Text: Renata Burckhardt
Spielstätte: Theater Roxy

OTHELLO. NIGGER NUMBER ONE.

Idee, Konzept, Leitung: Patrick Gusset
Co-Regie: Laurent Gröflin
Spielstätte: Theater Roxy

WILDE HERZEN

Wilde-Herzen-1

Regie: Michael Koch
Autor: Simon Froehling
Schauspiel: Maria Kwiatkowsky, Chantal le Moign, Max Brauer, Hansjürg Müller, Endre Holéczy, Yves Wüthrich
Ausstattung, Kostüme: Valerie Hess, Stefanie Schaad
Musik: Stefan Karrer
Licht: Robert MeyerRegieassistenz: Yves Baumann

TRI TRI TRIPLI - TRANS EUROPA EXZESS 1

copy & waste

Text: Jörg Albrecht
Regie: Steffen Klewar
Spielstätte: raum33

IMITATION OF LIFE

von Boris Nikitin
mit Malte Scholz, Beatrice Fleischlin
Bühne: PanteraPantera
Spielstätte: Kaserne Basel

Sieben Projekte ausgewählt!

TS20051

Die Theatertage Treibstoff, eine Plattform für junge Theaterschaffende, finden dieses Jahr im September zum 4. Mal statt. Aus insgesamt 52 Bewerbungen hat die Programmgruppe sieben Projekte junger Schweizer Künstlerinnen und Künstler ausgewählt: Der Schauspieler und Musiker Patrick Gusset kreiert für Treibstoff eine One-Man-Show als „Othello. Der Nigger Number One.“. Livia Schoeler entwirft mit „Vorläufig Ausnahme“ ein Plädoyer auf die Verschwendung und das Flüchtige. Der Musiker und Performer Fabian Chiquet entwickelt für die Reithalle zusammen mit Victor Moser und The Bianca Story die experimentelle Electro-Oper „O-Ton“. Boris Nikitin widmet sich mit „Imitation of Life“ den Problemen des dokumentarischen Theaters. Der Filmemacher Michael Koch wechselt vom Filmset auf die Bühne und arbeitet an einer Adaption von „Wild at Heart“. Steffen Klewar entwirft ein „Tri Tri Tripli“ und Charlotte von Bauszern inszeniert „Revolver-Traum“, einen Text der argentinischen Autorin Lola Arias.

Treibstoff 09 wird an 15 Tagen sieben Uraufführungen zeigen. Erstmals wird bei Treibstoff ein Publikumspreis an die beste Produktion vergeben. Und für die echten Treibstoff-Fans werden drei Marathontage eingerichtet, so dass man an einem Tag gleich mehrere Treibstoff-Produktionen sehen kann. Dafür wird extra ein Treibstoff-Bus gechartert, der die Zuschauerinnen und Zuschauer zwischen den drei Spielorten raum33, Roxy und Kaserne chauffiert, Reiseverpflegung inklusive.

Für weitere Informationen:
http://www.treibstoff-theatertage.ch

TREIBSTOFF 09 - Theatertage Basel
Fredy Heller, Geschäftsstelle
Gundeldingerrain 39
CH-4059 Basel
Tel. ++41 (0)61 362 06 26
f.heller@vtxmail.ch

WAS IST UND WILL TREIBSTOFF?

Eine Plattform für junge Theaterschaffende

Die Absicht
Theater Roxy, Kaserne Basel und raum33 haben sich im Jahr 2004 unter dem Label TREIBSTOFF erstmals zu einer „Plattform für junge Theaterschaffende“ zusammengefunden.

Die Plattform will Grundlagen und Rahmenbedingungen für die Förderung von Theaterautorinnen/ Theaterautoren, Schauspielerinnen/ Schauspieler und Regisseurinnen/ Regisseure schaffen: durch individuell projektierte, aufeinander abgestimmte und koordinierte Theateraufführungen, die auf den Bühnen des Theaters Roxy, der Kaserne Basel und im raum33 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ein Fördermodell
TREIBSTOFF wird wesentlich vom Fachausschuss Theater & Tanz BS/BL (kulturelles.ch) im Rahmen seines Fördermodells finanziert; zusätzlich wird TREIBSTOFF von weiteren Institutionen, Stiftungen u. ä. finanziell unterstützt.

TREIBSTOFF richtet sich an junge Theaterschaffende aus der Region Basel und Baselland, aber ebenso auch an solche aus der übrigen Schweiz und dem benachbarten Ausland.

Bislang wurden drei Ausgaben von TREIBSTOFF durchgeführt: in den Jahren 2004, 2005 und 2007. Dabei gelangten je sechs bis acht neue Theaterarbeiten aus der Freien Schweizer Szene zur Aufführung. Die 4. Ausgabe TREIBSTOFF 09 findet vom 9. – 26. September 2009 statt.


Der Programmgruppe/Jury TREIBSTOFF 09 gehören an:Christoph Meury, Leiter „Theater ROXY“, als Projektleiter
Carena Schlewitt, Leiterin „Kaserne Basel“
Monika Neun, Regisseurin und Leiterin „raum33“
Lukas Holliger, Autor
Heidi Fischer, von Seiten Fachausschuss Theater & Tanz BS/BL sowie
Fredy Heller als Geschäftsführer

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